Bei den Revisionsakten handelt sich um Arbeitsmaterialien für die Nachführungen der Siegfriedkarte. Deren Erstausgabe erschien zwischen 1870 und 1926; bis 1949 wurde das Kartenwerk periodisch nachgeführt.
Die Materialvielfalt der Revisionsakten ist interessant, sind doch die Skizzen, Stecherpausen und Korrekturen auf Halbkarton, Papier und auf unterschiedlichen Transparentpapieren angefertigt. Mal sind es ganze Kartenblätter, als Stecherpausen feinst mit der Feder und Farbstiften gezeichnet. Mal sind es Korrekturen auf Kopien der früheren Karte. Mal wimmelt es von Beschriftungen oder Zahlen, die bestimmten Karten-Regionen zugeordnet werden können, und mal sind es nur ein paar Striche, die den neuen Strassenverlauf zeigen.
Alle bestechen durch ihre Präzision und das handwerkliche Geschick, das die Topografen an den Tag gelegt haben.
Die restauratorische Bearbeitung der Revisionsakten ist die Fortführung von umfassenden Konservierungsmassnahmen. Ursprünglich standen die Revisionsakten nämlich in schmalen Mappen im Archivschrank, die Karten und Skizzen waren in ungeeigneten Umschlägen und nicht immer schön nach Nummern geordnet. Sie befanden sich in teilweise bedenklichem Zustand. Eine Benutzung ohne daraus folgende Beschädigungen wäre so nicht möglich gewesen.
Der gesamte Bestand wurde von zwei Praktikantinnen der swisstopo 2011–2013 konservatorisch und teilweise restauratorisch aufgearbeitet. Für die Erschliessung wurden in jeder Signatur von LT TAR 1 bis LT TAR 555 die Revisionsakten zum betreffenden Kartenblatt zusammengefasst.
Die restauratorischen Arbeiten wurden ab 2021 wieder in Angriff genommen mit dem Ziel, den gesamten Bestand der Allgemeinheit durch die Digitalisierung zugänglich zu machen. Der Bestand wird nun also durchgehend restauriert und dann gescannt.
Die Halbkartons und Revisionsakten auf Papier weisen grobe Risse auf und sind an den Ecken bestossen. Aber besondere Aufmerksamkeit bei der Zustandsbeurteilung erhalten die wasserempfindlichen Transparentpapiere.
Einige scheinen pergamentig und ziemlich stabil. Andere zerfallen fast beim blossen Berühren, sind stark verbräunt und brüchig. Die unterschiedlichen Herstellungsverfahren und die ungeeignete Lagerung über die Jahrzehnte haben die Degradation der Transparentpapiere unterschiedlich beeinflusst.
Durch die Benutzung als Arbeitsmaterial erfuhren jedoch fast alle Blätter Risse und Fehlstellen. Diese wurden meist mit Reparaturstreifen aus ähnlichem Material und einem Glutinkleber oder mit gummierten Klebebändern oder ähnlichem geschlossen. Die Feuchtigkeitseinwirkung des Leims hat dabei zu teilweise starken irreversiblen Verwellungen des Originals geführt. Zudem sind diese Reparaturen für das dünne Originalpapier ziemlich scharfkantig und können zu Versteifung und Sollbruchstellen führen. Weiter sind die Reparaturstellen durch das durchscheinende Papier stark sichtbar.
Die Restaurierung von Rissen und Fehlstellen erfolgt bei den Kartons mit Weizenstärkekleister und Japanpapier.
Bei Transparentpapier jedoch würde Weizenstärkekleister auf den glatten Oberflächen nicht genügend haften. Daher kommt hier ein anderer geprüfter Konservierungsklebstoff ins Spiel: Der Leim aus Hausenblase, einer gereinigten Schwimmblase des Störs. Es braucht dafür nur minimale Mengen von getrockneten Hausenblasepellets, die zuerst in Wasser aufgeweicht und dann bei niedriger Temperatur zu einem dünnflüssigen Klebstoff gelöst werden.
Die alten Reparaturen werden wo möglich ohne Feuchtigkeitseinwirkung abgelöst, der frühere Leim reduziert. Mit einem hauchdünnen Japanpapier und dem besagten Hausenblasenleim werden die Risse nun fein und viel weniger sichtbar verschlossen. Für Fehlstellen werden etwas dickere Japanpapiere verwendet. Dabei muss kleinteilig und rasch gearbeitet werden: Verklebte Stellen müssen sofort mit Löschkarton und Gewicht beschwert werden, damit keine Verwellungen im empfindlichen Original entstehen.
Sind die Papiere aber so fragil, dass sie jederzeit bei einer Bewegung neue Risse erhalten, werden die ganzen Papiere kaschiert mit sehr dünnem Japanpapier und einem Klebstoff, der in Wasser und Ethanol löslich ist (Klucel). Hierfür wird das Japanpapier vorgängig mit dem Klebstoff beschichtet und für die Kaschierung dann mit Ethanol reaktiviert. Dies hat den Vorteil, dass ohne Wasser gearbeitet wird und somit keine Verwellungen riskiert werden. Zudem können die stabilisierten Originale bei Bedarf noch auf einem Unterlagenpapier so montiert werden, dass eine risikoärmere Handhabung möglich wird.
Die Herausforderungen für die Restaurierung der Transparentpapiere der Revisionsakten sind handwerklich gesehen beträchtlich. Bei der Arbeit wird die mühevolle Kleinarbeit, die manchmal einem Puzzeln gleicht, durch das optisch ansprechende Kartenmaterial entlöhnt.
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