Das lange Leben der Grenzsteine

25. Ago.. 2026

Grenze Schweiz (SH) – Deutschland: Steinbemalung, 1939

Der Aktenbestand zur schweizerischen Landesgrenze dokumentiert unter anderem den Unterhalt und die Pflege der 7132 Grenzzeichen. Sie markieren teilweise bereits seit Jahrhunderten die Schweizer Grenze auf festem Boden und stellen ein Kulturgut besonderer Art dar. 

Beatrice Winter

Beatrice Winter

Archivkoordinatorin

Sie fallen auf, die Grenzzeichen, die uns bei einer Wanderung entlang der Schweizer Grenze begegnen. Sei es ein alter, vielleicht sogar noch bemalter Grenzstein, eine Metallstange mit Schild, ein einfacher Bolzen oder gar ein natürlicher Felsbrocken; sie alle weisen auf die offizielle Grenzlinie hin.

Manchmal sind diese Linien «unsichtbar», wenn sie beispielsweise durch einen Fluss oder See gebildet werden. In solchen Fällen regeln zwischenstaatliche Abkommen, wo genau die Grenze verläuft: Mitten drin, am einen oder anderen Ufer oder gar wandernd, wie bei einer Wasserscheide im Gebirge. Früher wurden die Linien zwischen zwei Steinen, wenn sie quer über eine Strasse verliefen, mit Porzellan«nägeln» gekennzeichnet. Im Archiv sind sogar noch einige Exemplare davon vorhanden. Wenn es heute noch solche Markierungen braucht, kommen Metallbolzen zum Einsatz.

Hin und wieder fällt ein Grenzzeichen aber auch aus einem traurigen Grund auf: Wenn Vandalen es nämlich (trotz Denkmalschutz) verunstaltet haben. So z.B. in der Kriegszeit, als einzelne Grenzsteine an der Landesgrenze zu Deutschland mit Hakenkreuzen verschandelt wurden. Bei den regelmässigen Begehungen werden solche und andere Schadensfälle aufgenommen und die Grenzzeichen wieder in Stand gesetzt. 

Beim (Neu-)Setzen eines Grenzzeichens sind jeweils Vertreter beider Länder vor Ort und überwachen mit Argusaugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Ein Protokoll gibt genaustens Auskunft darüber, wer was gemacht hat und eine Skizze oder ein Foto zeigen die neue Situation. Wie Skizzen und Bilder zeigen, ist ein wesentlicher Teil des Grenzzeichens unterirdisch verankert resp. einbetoniert.

Was passiert aber, wenn ein Grenzzeichen einmal ganz verschwinden sollte, vielleicht wegen einem Erdrutsch, oder wenn ein Stein durch Bauarbeiten beschädigt und (versehentlich) entfernt oder verschoben wurde? Was heutzutage dank GPS und Fixpunkten kein Problem mehr ist, konnte früher durchaus zu Streitfällen führen. Deshalb wurden auf den Plänen und im Gelände neben den Grenzzeichen auch noch Rückmarken eingetragen, welche eine Art zweite, parallele Linie zur Grenze bildeten.

Diese speziellen Unterlagen werden gegenwärtig wie alle übrigen Papierakten des Amtes, welche als archivwürdig bewertet wurden, ans Bundesarchiv abgeliefert. Dort können sie in Zukunft (nach Ablauf der Sperrfrist) konsultiert oder als Digitalisat bestellt werden.

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