Bildmessung: eine Zeitenwende in der Kartierung der Schweiz

25. Giu.. 2026

Vermessungsflugzeug Beechcraft C45F während eines Bildflugs, ca. 1960 (Abb.: Schweizer Luftwaffe).

Im frühen 20. Jahrhundert erkundeten Schweizer Topografen eine neue Technologie: Die Fotogrammetrie, das Ausmessen von Luftbildern, versprach grosse Vorteile. Es dauerte aber Jahrzehnte, bis die Bildmessung zur festen Säule der Kartenproduktion wurde.

Felix Frey

Felix Frey

Historischer Fachspezialist

Ein Paradigmenwechsel kündigt sich an

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich immer deutlicher ab, dass eine revolutionäre Technologie die Vermessungsarbeit grundlegend verändern könnte. Statt bei der Feldarbeit Punkt für Punkt im Gelände zu erfassen, könnten die Vermessungstrupps das zu kartierende Gebiet fotografieren und die Aufnahmen später im Büro auswerten. Statt der Landschaft selbst würden Topografen also Fotografien der Landschaft ausmessen.

Die meist Fotogrammetrie genannte Disziplin der Bildmessung steckte damals noch in den Kinderschuhen. In der Schweiz fanden in den 1890er-Jahren erste Versuche mit fotografischen Messverfahren statt. 1893 erstellte der Kantonsgeometer Emil Röthlisberger bei Sigriswil im Berner Oberland Messbilder einer Felswand, zwischen 1892 und 1896 führte Max Rosenmund, ein Ingenieur der Landestopografie, in den Hochalpen Tests durch. Diese Probevermessungen fussten auf sogenannten terrestrischen Aufnahmen, also Messbildern, die vom Boden aus aufgenommen wurden. Die Versuche ergaben zwar hinsichtlich Genauigkeit gute Resultate, die Kosten der neuen Methode waren aber noch zu hoch, um die Bildmessung im grossen Stil einzuführen.

Gründung des Vermessungsflugdiensts

Zwei Jahre nach den erfolgreichen Versuchen bei Dübendorf gründete die Landestopografie 1926 einen eigenen Vermessungsflugdienst. Damit brach für die Schweizer Kartenproduktion ein neues Zeitalter an. Luftbilder wurden nun systematisch erstellt, um die topografischen Karten des Landes auf den neusten Stand zu bringen. Ein zentrales Werkzeug des Flugdiensts waren ab 1927 die Kameras der Firma Wild aus dem St. Gallischen Heerbrugg. Sie stellten sich als hochwertige Produkte heraus – bis heute setzt swisstopo auf Kameras des Unternehmens, das 1997 zu Leica Geosystems wurde.

Die Aufnahmen wurden zunächst vor allem genutzt, um Veränderungen in der Landschaft festzustellen. Dazu verglichen Topografen die Luftbilder mit dem entsprechenden Kartenblatt und identifizierten Veränderungen der Siedlungsstruktur, des Strassennetzes oder der Waldflächen. Doch nicht alles konnte aus Luftbildern abgeleitet werden – beispielsweise war dichtes Laub ein Hindernis für den Blick von oben; Waldwege liessen sich auf Luftbildern oft nicht erkennen. Feldbegehungen wie im 19. Jahrhundert bleiben deshalb auch im Zeitalter der Fotogrammetrie unverzichtbar, sie kosten aber weniger Zeit und Geld.

Der hohe Preis der Innovation

Terrestrische Aufnahmen und Luftbilder senkten die Kosten und beschleunigten die Kartennachführung. Im Fall der Vermessungsfliegerei hatte der technische Fortschritt aber einen hohen menschlichen Preis. Von den neun Piloten und Bordfotografen, die in den ersten 30 Jahren des swisstopo-Flugdiensts die Schweiz beflogen, kamen vier im Einsatz ums Leben. Darunter war auch Hans Hugi, der erste Bordfotograf der Landestopografie. 1927 verunglückte er nur ein Jahr nach seinem Stellenantritt tödlich. Im Jahr 1957 ereignete sich der letzte schwere Flugunfall in der schweizerischen Vermessungsfliegerei. Dass es seither nur noch zu kleineren Zwischenfällen gekommen ist, ist vor allem den teuer bezahlten Erfahrungswerten zu verdanken, die Verbesserungen im Flugzeugbau und in der Flugsicherung nach sich gezogen haben.

0 Kommentare

Aggiungi un nuovo commento

Copiare il link o cliccare su una delle icone