Dem Gebirge abgerungen: Festungskarten der Schweiz

20. Feb. 2026

Ausschnitt aus Blatt Blatt 12 «St. Tannaire» der Festungskarte Saint-Maurice, 1894 (swisstopo Kartensammlung LT FK SMAU 12, 1894).

Zwischen 1888 und 1952 fertigte die Landestopografie geheime, grossmassstäbige Karten der schweizerischen Festungsgebiete an. Unter grossen Entbehrungen entstanden, sind sie bis heute faszinierende Zeugnisse einer vergangenen Bergwelt.

Felix Frey

Felix Frey

Historischer Fachspezialist

Zuerst die Dufourkarte, dann die Siegfriedkarte und schliesslich die wohlbekannte Landeskarte: Dieser Dreischritt scheint die staatlichen topografischen Karten des Schweizer Bundesstaats gut zusammenzufassen. Doch geht dabei ein besonderes Kartenwerk vergessen – zwischen 1888 und 1952 erstellte die Landestopografie auch sogenannte Festungskarten.

Das Festungskartenwerk unterscheidet sich in vielen Gesichtspunkten von seinen eingangs erwähnten Verwandten. Es deckt nicht das gesamte Land ab, sondern erfasst nur ausgewählte Gebiete, der Kartenmassstab ist mit 1:10 000 deutlich grösser als bei der zeitgleich verwendeten Siegfriedkarte, und die Öffentlichkeit hatte während mehr als einem Jahrhundert keinen Zugang zu den Festungskarten. Sie unterlagen der Geheimhaltung und wurden erst 2009 entklassifiziert.

Die Erstausgaben der Gotthardblätter der Festungskarte sind auf Wikimedia Commons in hoher Auflösung frei verfügbar. Klicken Sie hier

Ende und Nachwirken

1952 endete die Schweizer Festungskartenproduktion, was nicht nur an den geschilderten Herausforderungen lag. Andere grossmassstäbige Kartengrundlagen wie der Grundbuch-Übersichtsplan hatten zu diesem Zeitpunkt immer grössere Teile des Landes erfasst und die neue Landeskarte der Schweiz eignete sich mit ihrer hohen Präzision ebenfalls dazu, «in jedem Gelände Feuer auf rechnerischer Basis auszulösen», wie Oberst Ludwig Sallenbach 1957 konstatierte.

Für artilleristische Anwendungen wurden die Festungskarten in den 1950er Jahren verzichtbar. Bis heute bleiben die grossmassstäbigen Karten aber eine wertvolle Informationsquelle zur Vergangenheit unserer Berggebiete. Gletscher- und Waldflächen, Bachläufe, Verbindungswege und zahlreiche weitere Raumdaten sind in den Festungskarten mit grösster Sorgfalt festgehalten und laden so zum Forschen und Entdecken ein.

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